Colani ist geil! …oder?

Ja, wir haben einen Industrial Designer, Sohn eines Schweizer Filmarchitekten und einer polnischen Souffleuse in Berlin geboren. Wahrscheinlich haben wir nicht nur einen. Aber eben diesen einen. Sohn eines Schweizers. Kennt ihr diesen Colani, den Typen der irgendwie aussieht Salvador Dahli? Dahli war auch geil, stimmt. Aber zurück zu dem Mann, der alles so designt, dass es in die Hand passt, oder windschlüpfrig ist, oder beides.

Design, so habe ich es vor langer Zeit mal gelernt, vereint Form und Funktion. Doch Colani schert sich einen Dreck um die Funktion. Und das braucht eine gewisse Unverfrorenheit. 1972, ja das Jahr, als mir meine Mutter das Leben geschenkt hat, entwirft er ein Boot für den Ruderclub in Ulm. Statt Supersiege einzufahren, sank es schon, als sie es das erste Mal ins Wasser liessen. Genau das ist Colani, und genau deshalb mag ich dieses Unikat mit Schweizer Wurzeln.
Als ich 18 Jahre alt war, hatte er gerade mal die Flasche fürs «Limelight» des Mineralwasserunternehmens Valser neu entworfen. Einfach einen Knick rein, und schon passt diese in die Hand. Das war die ganze Hexerei. Man hat gemunkelt, er beginnt gar nicht erst zu arbeiten unter CHF 100’000.- Honorar. Ein Teufelskerl dieser Colani. Und jetzt pendelt er irgendwo zwischen Deutschland und China hin und her, um eine ökologische Stadt der Superlative aus dem Boden zu stampfen. Eine Traumstadt in Menschenform, wie sollte es auch anders sein, denn in die Hand passt eine Stadt ja wohl nicht.
Colani, das «Enfant terrible» der Designer Szene, liess und lässt kein Fettnäpfchen aus, um der Konkurrenz zu sagen wie öde diese Produkte gestalte. Der Kinski unter den Designern. Er totaler HighFlyer, Überflieger, sein Vater Schweizer. Das Land wo ein Überflug gerade mal 20 min dauert. Passt zwar irgendwie nicht zusammen, genauso wenig, wie die Form und die Funktion bei Colani, ist aber irgendwie trotzdem «geil»! Wobei ich diese Wort bewusst wähle, weil es ja irgendwie in seiner Herkunft zum anderen prominenten Wort, das Colanis Arbeit beschreibt, passt, nämlich «schlüpfrig». Ich hoffe, Colani begeistert uns noch lange mit seinen unmöglichen, (wind)schlüpfrigen Designs, mit vielen Formen und wenig Funktion.
I love it! (Blog vom 2. August 2013)

Luigi Colani (* 2. August 1928 in Berlin als Lutz Colani; † 16. September 2019 in Karlsruhe) war ein deutscher Designer, der weltweit tätig war.




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